Günther Steinke wurde am 22.1.1897 in Berlin geboren und ist dort auch aufgewachsen. Am 1. Weltkrieg hat er als Soldat teilgenommen.
1919 beginnt er sein Studium des Allgemeinen Maschinenbaus an der T.H. Berlin-Charlottenburg.
Der junge Ingenieur beginnt 1922 seine Laufbahn in wirtschaftlich schwieriger Zeit. Sie führt ihn über die Glaswerke Ruhr in Essen-Karnap zur Glashütte Wisthoff in Essen-Steele, die er 12 Jahre als Betriebsleiter führt.
1939 wird er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Deutschen Glastechnischen Gesellschaft in Frankfurt. Aber schon im Herbst des gleichen Jahres wird er zur Wehrmacht einberufen.
Nach 1945 arbeitet er selbständig als vereidigter Sachverständiger sowie als freier Fachjournalist.
Das von ihm erkannte Phänomen, Zustandsgrößen in der Glasschmelze mathematisch zu erfassen, hat ihn bis in seine letzten Jahre unablässig beschäftigt.
Das Leben war für Günther Steinke nicht immer einfach, insbesondere durch den schwierigen Neuanfang nach dem Krieg und den frühen Tod seiner Frau.
Am 18. Mai 1984 starb Günther Steinke in Gelsenkirchen.
Günther Steinke hat sein ganzes Leben lang "Verse geschmiedet", die seine humorvolle, manchmal aber auch bissige Art deutlich machten. Weniges davon ist veröffentlicht worden; manches unter dem Pseudonym "Schliff". Die "Chef-Gedichte" hat mir seine Tochter, Frau Marianne Steinke, aus seinem Nachlaß zur Verfügung gestellt. Dieser Teil des Nachlasses war so wohl geordnet, daß kaum Korrekturen oder Veränderungen vorgenommen werden mußten. Gewisse autobiografische Züge sind wohl
nicht zu übersehen.
Die HÜTTE verdankt ihm zahlreiche unvergessene Mimiken.
Zum Andenken an ihren Vater hat Marianne Steinke dieses Buch herausgegeben. Die Geschichten schrieb Günther Steinke für seine Kinder während seines Kriegseinsatzes in Norwegen. Es sind drei bezaubernde Märchen aus dem Land der Mitternachtssonne, wo Moorhexen, Wassertrolle und kleine gutmütige Geister ihren Schabernack mit den Menschen treiben. Zauberei und spannende Abenteuer werden listig überwunden und haben stets einen glücklichen Ausgang, wie es sich für ein echtes Märchen gehört.
Mehr Informationen gibt es hier.
| Der Chef in spe |
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Der wichtige Termin |
Jeder Chef fängt einmal an. Und dann ist er junger Mann, wird Eleve, Praktikant oder Volontär genannt, wie es sich so grade trifft, früher hieß er einfach "Stift". Dieser Name ist indessen längst verklungen und vergessen. |
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Jeder Chef ist deprimiert, wenn es wieder ihm passiert, daß er den Termin vergißt, der so schrecklich wichtig ist. Morgens war man sehr erstaunt, daß der Chef so gut gelaunt fröhlich in sein Zimmer kam und die Post in Angriff nahm.
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Jetzt, am Anfang der Karriere, ahnt von des Berufes Schwere selten mal ein junger Mann, was ihm alles blühen kann. Fühlt er sich doch meistens schon in des Chefes Position, träumt, wie er Konzerne führt und als großer Chef fungiert, sieht sich auf des Ruhmes Höh', hält sich für den Chef in spe. |
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Aber unbemerkt von allen ist dann etwas vorgefallen, was ihn innerlich erregt' und auf seine Stimmung schlägt.
Und die Sekretärin denkt, was hat nur den Chef gekränkt, daß er es auch mir nicht sagt, welcher Ärger an ihm nagt. |
Zu billig ! |
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Dann bekommt sie einen Schreck. Denn der Chef geht plötzlich weg, und er ruft, schon in der Tür: "Ich komm' wieder gegen vier !" |
Der Einkauf hat ein Stück bestellt, das dem Betriebe nicht gefällt, und gab dazu den Kommentar, daß es bedeutend bill'ger war.
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Wenn ein Chef beharrlich schweigt und sich unzugänglich zeigt, muß die Sekretärin finden, welcher von den vielen Gründen, die vielleicht in Frage kommen, seine Laune ihm genommen.
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Das Stück trifft ein. Es paßte schlecht und funktionierte nicht so recht. Dann hielt es nur ein Vierteljahr, weil es bedeutend bill'ger war.
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Auf dem Schreibtisch liegt wie immer in des Chefes Arbeitszimmer der Kalender aufgeschlagen, wo Termine eingetragen, die nun mal an jedem harten Arbeitstag den Chef erwarten.
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Ersatz kam nicht so schnell ins Haus. Ergebnis: Der Betrieb fällt aus. Und da wird selbst dem Einkauf klar, daß teuer wird, was billig war.
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Und ein Blick in dieses Buch sagte ihr sofort genug, und sie kennt den Grund genau. Seit drei Tagen hat sie ihn auf den wichtigen Termin oft erinnert, doch indessen: Den Geburtstag seiner Frau hatte trotzdem er vergessen.
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Deshalb eilt er fort am Morgen, um jetzt etwas zu besorgen, um der Gattin einen stillen Herzenswunsch noch zu erfüllen. |
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"Paß' schön auf !" gilt auch privat, wenn man eine Chefin hat.
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