Der Akademische Verein Hütte ging aus zwei, im März 1846 gegründeten, Vorläufervereinen hervor. Die Mitglieder des einen, die sich in einer Wohnung versammelten, um wissenschaftliche Werke zu studieren, fanden dies zu trocken, die des anderen, die sich in einer Kneipe versammelten, fanden die Stimmung zu feucht-fröhlich. So kam man überein, sich zusammenzutun, und am 16. Mai 1846 fand in einem Berliner Lokal der Zusammenschluss der beiden Vereinigungen zum "Verein der Zöglinge des Königlichen Gewerbe-Instituts" statt.
22 Mitglieder unterzeichneten an diesem Abend die Statuten.

Ein wesentlicher Teil des Vereinslebens war auch damals schon die Beschäftigung mit wissenschaftlichen Büchern und Publikationen, wenn es sich zunächst auch nur um Zeitschriften handelte. Bald folgte aber eine eigene Bibliothek, was zu jener Zeit etwas durchaus Ungewöhnliches war.
Aber auch das gesellige Leben wurde gepflegt, man traf sich regelmäßig einmal in der Woche, um beim Bier Diskussionen zu führen und Vorträge zu hören. Am späteren Abend wurde die Stimmung lockerer, die Reden freier. Die Form der regelmäßigen Treffen, man könnte auch Stammtisch dazu sagen, wird heute noch gepflegt.
Im Dezember 1847 erhielt die HÜTTE nach langen Diskussionen ihren heutigen Namen.


Zeichnungsunternehmen, Gründung des VDI und "Des Ingenieurs Taschenbuch"

Das erste Jahrzehnt der HÜTTE fand seinen Abschluss durch den Beginn dreier großer Projekte:

Es wurde ein Zeichnungsunternehmen gegründet. Dieses Zeichnungsunternehmen hatte die Herausgabe brauchbarer Zeichnungen zur Aufgabe. So entstand eine für die damalige Zeit einzigartige Sammlung von Konstruktionsbeispielen und Vorlagen. 1885 beauftragte der Minister für öffentliche Arbeiten die HÜTTE mit der Herausgabe der Normalien für die Betriebsmittel der preußischen Staatsbahnen. Die Normalien zeigen Loks und Wagen der preußischen Staatsbahnen in kompletten Konstruktionszeichnungen.

Das zweite Projekt war die Gründung des Vereins Deutscher Ingenieure. Auf einem Ausflug vom 10. Stiftungsfest in Halberstadt im Harz nach Alexisbad gründeten 20 Hüttenbrüder den VDI.

Von ähnlich großem Erfolg war der Beschluss, ein Nachschlagewerk für Ingenieure herauszubringen. Die Hütte, des Ingenieurs Taschenbuch sollte ein Werk werden, in dem Formeln, Tabellen und Resultate aus den Vorträgen der Hochschullehrer zusammengefasst und in übersichtlicher Weise präsentiert werden sollten. Noch heute ist die Grundlagenhütte in ihrer aktuellen Auflage das Hauptwerk der durch die Hütte herausgegebenen Bücher.


Die HÜTTE wächst

Im Jahre 1870 wurde beschlossen, dass die HÜTTE sich mit anderen Vereinen am Königlichen Gewerbe-Institut vereinigen sollte, um die HÜTTE auf eine breitere Basis zu stellen. So erfolgte dann die Vereinigung mit dem Chemiker-, dem Gesangs- und dem literarischen Verein des Gewerbe-Instituts mit dem entsprechenden Aufschwung an Mitgliedern. Nach dem Beitritt des Akademisch-bauwissenschaftlichen Vereins bestand die HÜTTE dann etwas später aus fünf Abteilungen technischer und literarisch-musischer Prägung.

Nachdem die HÜTTE aus universitätspolitischen Gründen schon 1869 Chargierte in den Farben weiß-blau aufgestellt hatte, fand um die Jahrhundertwende die Wandlung zu einer vollständigen Korporation statt. Man bekannte sich zur unbedingten Satisfaktion auf persönlicher Waffe, der Fechtunterricht wurde zur Pflicht für alle Füxe. Das Fechten wurde später allerdings wieder aufgegeben.



Ein eigenes Haus für die HÜTTE

Im November 1894 zog die HÜTTE in ihr erstes eigenes Haus in der Charlottenburger Bachstrasse ein, damit begann ein neues Leben. Der gemeinsame Mittagstisch, Arbeitsräume und Räume für Festlichkeiten boten neue Möglichkeiten des Zusammenseins und schweißte die Mitglieder zusammen.

Vor dem ersten Weltkrieg wurde der Ausbau der Möglichkeiten zum Sport vorangetrieben, es bestand eine Tennisabteilung, eine Ruderabteilung und 1911 wurde die Segelabteilung gegründet, die heute noch besteht. Die HÜTTE hatte zu dieser Zeit rund 140 Aktive und fast 2000 Alte Herren.


Die Folgen der Weltkriege für die HÜTTE

Die Jahre nach dem ersten Weltkrieg dienten der Stabilisierung und Konsolidierung, die durch den Krieg erlittenen Verluste, sowie bei den Mitgliedern als auch finanzieller Art, mussten überwunden werden. Dieses machte sich auch durch ein Bestreben nach einer Stärkung des korporativen Zusammenschlusses bemerkbar. Wenn auch die seitens mancher Alten Herren gefürchtete Neigung zum Farbentragen niemals ernsthaft zur Diskussion stand, stellte die HÜTTE bei öffentlichen Auftritten weiterhin Chargierte im studentischen Wichs, während die Hüttenbrüder weiß-blaue Schleifen zum Anzug trugen. Außerdem war es üblich, Bier- und Weinzipfel in den Hüttenfarben zu tragen, sowie aus Deckelkrügen mit dem Hüttenwappen zu trinken. Das Führen eines Zirkels war verboten.

Seit ihrer Gründung beschränkte sich die HÜTTE auf die Pflege der Freundschaft unter ihren Mitgliedern sowie die Förderung ihrer geistigen Bildung und ihrer technisch-wissenschaftlichen Bemühungen, Fragen der Tages- und Parteipolitik wurden schon immer aus dem Hüttenleben ferngehalten. Mit diesen Grundsätzen begann eine schwierige Zeit für die HÜTTE im "Dritten Reich".
Obwohl die überwiegende Anzahl der Aktiven und Alten Herren dem Nationalsozialismus ablehnend gegenüberstand, traten nach 1933 vier fanatische Nationalsozialisten, die sich zunächst zurückgehalten hatten, umso geräuschvoller auf und schafften es, sich in den Gremien der HÜTTE durchzusetzen. Infolge dieser Vorgänge kam es zum Austritt vieler Mitglieder. Erst als etwas später drei der erwähnten Fanatiker aus beruflichen Gründen Berlin verließen und der vierte wegen der Denunzierung des stellvertretenden Vorsitzenden aus der HÜTTE ausgeschlossen wurde, konnte diese Entwicklung eingedämmt werden.
Es begann ein zäher Kampf um das Weiterbestehen der HÜTTE. Während sich andere Korporationen durch Suspendierung auf unbestimmte Zeit der Politisierung entzogen, war für die HÜTTE die Fortführung der in 90 Jahren geschaffenen wissenschaftlichen Werke wegbestimmend, eine Suspendierung kam nicht in Frage.

So kam es 1935 zu einer Umwandlung der Aktivitas in eine Kameradschaft des "Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes (NSDStB)", jedoch wurde im internen Betrieb sowie am Aufbau der Gremien wenig geändert. Das Leben in der "Wohnkameradschaft" mit Arbeitsdienst und Wehrsportlager neben dem Studium war für das Hüttenleben ebenso abträglich wie lästig für die Aktiven. Dies konnte erst gebessert werden, als es gelang, die Aktiven in einem Marine-Studententrupp zusammenzufassen. Auf diese Art konnte der Dienst wenigstens durch die gemeinsamen Segelaktivitäten abgeleistet werden.

Im November 1936 erfuhr die HÜTTE nochmal erfreulichen Zuwachs, indem 76 ehemalige Mitglieder der Akademischen Verbindung KETTE aufgenommen wurden. Die KETTE hatte sich 1935 aufgelöst, da sie als Einzelverbindung wenig Aussicht auf Fortbestand hatte.


Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg

Der Zusammenbruch des nationalsozialistischen Staates brachte auch das Hüttenleben zunächst zum Erliegen, viele Hüttenbrüder waren umgekommen, das Haus in der Bachstrasse war durch Kriegseinwirkung zerstört worden, dabei war auch die Bibliothek mit 20.000 Büchern verlorengegangen.

Dank der Bemühungen einiger Alter Herren konnte die HÜTTE jedoch wiederbelebt werden. Schon Ende Juni 1945 wurde der Verein in die Liste der genehmigten Organisationen eingetragen, die endgültige Zulassung in allen Sektoren erfolgte aber erst 1950.

Durch die politische Entwicklung in Berlin, die in der Blockade 1948/49 gipfelte, kamen Zweifel am Fortbestehen des Hochschulstandortes Berlin auf. Dies führte dazu, dass ein Studentenkreis an der Universität Karlsruhe gegründet wurde, der sich sehr schnell entwickelte und in eine Aktivitas Karlsruhe überführt wurde.

Nach der Konsolidierung der finanziellen Situation, die dadurch erleichtert wurde, dass die Druckstöcke für ein Teil der Hüttenbücher im Kriege nicht verlorengegangen waren und die Produktion der Bücher relativ schnell wieder aufgenommen werden konnte, konnte in Berlin schon bald an den Bau eines neuen Hauses gedacht werden. Die Bauarbeiten am neuen Haus in der Carmerstrasse konnten 1957 abgeschlossen werden. Im Jahre 1959 konnte als zweites Haus in Berlin das Wassersportheim, genannt Pichelhütte in Pichelsdorf, an der scharfen Lanke, einer seenartigen Erweiterung der Havel, bezogen werden. Auch der größer werdende Bootspark fand dort seinen Liegeplatz.

In der gleichen Zeit erhielt die Aktivitas Karlsruhe, die mit einer gemieteten Etage vorliebnehmen musste, ihre Skihütte im Schwarzwald.

In Berlin wurde zur Erweiterung der Wohnetagen eine 7 1/2-Zimmer-Wohnung in der Leibnizstrasse angemietet, die 50 Semester bis 1987 bestand.

Mitte der siebziger Jahre vollzog sich eine weitere große Änderung im Leben der HÜTTE. Immer mehr weibliche Studenten wollten in der HÜTTE mitwirken, und da eine solche Mitwirkung nur als Freunde der HÜTTE nicht lohnend erschien, betrieben sie eine Änderung der Ansichten unter Aktiven und Alten Herrn. 1975 wurden die ersten weiblichen Hüttenbrüder inoffiziell aufgenommen, 1981 hatte sich dann auch die Altherrenschaft dazu entschlossen, dies zu billigen, seitdem betreiben männliche und weibliche Mitglieder das Hüttenleben gemeinsam mit Erfolg.

1990 erwarb eine Gruppe von Alten Herren ein Grundstück in der Altstadt von Karlsruhe als Domizil für die Karlsruher Aktivitas. Die darauf stehenden zwei alten Häuser wurden gründlich renoviert und umgebaut. Nach der Fertigstellung 1993 stehen sie jetzt als Wohnheim und Treffpunkt für die Karlsruher Aktivitas zur Verfügung.



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